Die obere Hohenheimer Straße zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Rechts die Stitzenburg-Apotheke mit großer Reklameanlage auf dem Dach. Man beachte die breiten, mit zwei Doppelreihen Bäumen bepflanzten Trottoirs und das schmale Straßenbahngleis am rechten Rand. Der Abstand zwischen den beiden Häuserzeilen ist mit 25 bis 30 Metern auch für Stuttgarter Verhältnisse außergewöhnlich großzügig bemessen, zumal da bei der Planung – die ersten Häuser stammen von 1870 – das Automobil noch gar nicht erfunden war und niemand den heutigen Großstadtverkehr vorausahnen konnte. Das Tramgleis führte zweispurig bis zur Apotheke und lief dann einspurig zur Haltestelle Bopser weiter, wo die Hohenheimer Straße in einem weiten Rondell als Sackstraße endete (der Verkehr von und nach Degerloch floss seinerzeit noch über die Neue Weinsteige und die Olgastraße). Der damals feinen Gegend angemessen, war zwischen der Straßenbeleuchtung und den Bäumen ein Reitweg angelegt.

Hundert Jahre sind inzwischen darüber hinweggegangen und haben alles verändert – nur leider nicht zum besseren. Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs wurden wesentliche Teile der unteren Hohenheimer Straße zerstört, was den Stadtplanern die willkommene Gelegenheit bot, die Struktur der ehemals noblen Wohnadresse endgültig in Richtung "autogerechte" Einfallschneise zu verändern. Auch im oberen Teil der Straße, weniger stark beschädigt und noch immer wunderschön in der Ensemblewirkung der alten Gründerzeithäuser, wurde vieles dem Verkehr geopfert und den neuen, vermeintlichen "Sachzwängen" angepaßt: Bäume, Beete und Rabatten, Reitweg und Gaskandelaber wurden entfernt, die Trottoirs zurückgebaut. Schon war Platz für die vier Spuren der B 27 und die breite, zweigleisige Straßenbahntrasse.

Mittlerweile präsentiert sich die Hohenheimer Straße als Rennpiste für täglich bis zu 40.000 Autos, Lastwagen, Omnibusse, Motorräder und circa 700 Doppelzüge der Stadtbahn. Seit den späten siebziger Jahren kämpft eine Bürgerinitiative für die grundlegende Verbesserung dieser Situation und fordert im Interesse der Anwohner einen Straßentunnel für den Autoverkehr. Sie wurde von der Stadtverwaltung bislang aber immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet.

( Für Hintergrundinformationen und Photographie danken wir Herrn Klaus Steinke )


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