Woher kommt eigentlich der Name "Stitzenburg" ?

Lesen wir bei Hermann Lenz:

[...] Zur Linken lohnt es sich, auf unsre Stadt hinabzuschauen und der Stitzenburg zu gedenken, welche nicht weit von hier bereits um 1770 als Gartenwirtschaft des Uhrmachers Stitz beliebt gewesen ist. Ursprünglich ein Landhaus, das "Kleine Solitude" oder "Grüneisens Solitude" geheißen hat, ließ Herr Stitz eine Wirtschaft daraus machen, wo man im Freien sitzen und von einer Gartenterrasse aus, inmitten von Weinbergen, ins blaudunstige Nesenbachtal schauen konnte, während Kinder sich in einer Schaukel wiegten. Ein Vesper, sagen wir mit Kräuterkäse und mit Butter, gab dem Bodeng'fährtle des Weines und des Mostes die richtige Unterlage ...

Hermann Lenz: Durch Straßen schlendern, 1967-73, "Stafflenbergstraße", (Auszug)
© 1983  Belser Verlag, Stuttgart und Zürich


 

 

 Die Stitzenburg. ca. 1832

So einmalig und sperrig, wie der Name nun einmal ist (selbst Einheimischen ist er kaum mehr geläufig), so oft wird er von Nicht-Stuttgartern verwechselt und verfremdet. Im Briefverkehr kommen nicht selten so kuriose Gebilde zustande wie Sitzenburg-, Spitzberg-, Sitzburg-, Sitzenberg- oder gar Spitzweg-Apotheke. Aber kann man dies im Zeitalter sich verselbständigender und automatisch korrigierender Textverarbeitungsprogramme irgend jemand verübeln, wo doch schon die offizielle Stuttgarter Stadtkarte von 1855 das ehemalige Ausflugsziel als "Spitzembergs Landhaus" verzeichnet? Wohl kaum.

 

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